In eigener Sache...

...wir müssen und wollen unser Haus erweitern!

So soll er aussehen, der Anbau:

Über die Gründe, Möglichkeiten, Chancen und Kosten informieren wir Sie in diesem Flyer.

Bitte helfen Sie uns und den betroffenen Menschen in unserer Heimat durch Ihre Spende. Wenig oder viel, klein oder groß, jeder Euro und jede Aktion zum Spendensammeln hilft uns ein Stück weiter. 
Vielen Dank.

 

Achtung: Wichtige Information

Aus Aktuellem Anlass werden bis Ende März alle Fortbildungen abgesagt. Die geplante Gedenkfeier am 21.03.2020 wird auf unbestimmte Zeit verschoben.

Auch die Gruppentreffen der Trauerbegleitung Charly&Lotte finden nicht statt.

Wir informieren zeitnah, wenn es Neuigkeiten gibt. Bleiben Sie gesund!

 

 

Rink GmbH spendet 5000 Euro

Monika Stumpf (l.) freut sich über die Spende der Firma Rink, die Jan Kahl in deren Namen übergibt. (Foto: Haus Emmaus)

Beitrag zur Erweiterung des Hospizes

Jan Kahl, Leiter Marketing der Firma Wilhelm Rink, hat eine Spende in Höhe von 5000 Euro an die Hospiz Mittelhessen GmbH übergeben. „Wir haben in diesem Jahr unseren Kunden zu Weihnachten nur Karten statt Weihnachtspräsenten verschickt, um die entsprechende Summe lieber einem sinnvollen Zweck zukommen zu lassen“, so Kahl bei der Übergabe im Haus Emmaus.

Geschäftsführerin Monika Stumpf dankte für die Summe, die in der Hospizarbeit mehr als sinnvoll Verwendung findet. Stumpf stellte das Haus Emmaus und die Entwicklung der stationären Hospizarbeit vor. Dazu gehören die Hospiz und PalliativAkademie, die Fort- und Weiterbildungen für Pflegefachkräfte und andere im Sozial- und Gesundheitssektor Tätige mit dem Schwerpunkt Palliative Care anbietet, sowie „Charly&Lotte“, die Trauerbegleitung für Kinder und Jugendliche und deren Angehörige, die beständig wächst. „Da die Kosten für die palliativpflegerische und -medizinische Betreuung nicht vollständig von den Kranken- und Pflegekassen abgedeckt werden, muss die verbleibende Deckungslücke durch den Träger selbst aufgebracht werden, was jährlich eine Summe von rund 110 000 Euro bedeutet. Dazu kommen 85 000 Euro für ,Charly und Lotte’ und nun der Erweiterungsbau für rund 3,8 Millionen Euro“, erläuterte Stumpf. Mit dem Bau entsteht unter anderem das erste Tageshospiz in Hessen.

Wetzlarer Neue Zeitung, 23.März 2020, Seite 12

 

 

Auch in 2020 findet ein Führungskompetenzseminar statt

Wir feuen uns sehr, dass wir auch in diesem Jahr wieder ein Führungskompetenzseminar anbieten können. Weitere Infos dazu gibt es hier.

Es werden bereits Anmeldungen entgegen genommen.

 

 

Liederbücher für Charly und Lotte

Freuen sich über die Spende (v.l.): Carmen Storbakken, Wolfgang Velten, Monika Stumpf, Klaus Lippert. Nette, Stefan Zeiger und Petra Gießler (Foto: Haus Emmaus)

Verein „Menschen für Kinder“ hilft erneut

WETZLAR (red). Stefan Zeiger, Klaus Lippert und Wolfgang Velten vom Verein „Menschen für Kinder“ (MfK) und die Liedermacherin Nette haben im Haus Emmaus ein Geschenk für Charly und Lotte übergeben. Dies ist die Trauerbegleitung für Kinder und Jugendliche. Geschäftsführerin Monika Stumpf und die Trauerbegleiterinnen Petra Gießler und Carmen Storbakken freuten sich riesig über 75 Liederbücher, die Nette im vergangenen Jahr herausgegeben hat. Unter dem Titel „Ich darf anders sein“ möchte sie mit ihren Liedern Kinder und auch Erwachsene dafür sensibilisieren, das Anderssein ihrer Mitmenschen zu akzeptieren.

Nette ist seit dem vergangenen Jahr als Botschafterin für Charly und Lotte unterwegs. Sie möchte das Thema Tod aus seiner Tabuzone holen, damit jeder lernen kann, damit umzugehen.

Wetzlarer Neue Zeitung, 18. Februar 2020, Seite 12

 

 

2500 Euro für Charly und Lotte

v.l. Monika Stumpf, Norman Held, Carmen Storbakken und Christian Dietrich bei der Spendenübergabe. (Foto: Heike Pöllmitz)

Am Mittwoch waren Norman Held und Christian Dietrich, Geschäftsführer der Achenbach GmbH in Dutenhofen, im Haus Emmaus in der Spilburg zu Gast, um 2500 Euro für „Charly & Lotte“, die Trauerbegleitung für Kinder und Jugendliche der Hospiz Mittelhessen gGmbH, zu übergeben.

"Wir haben im vergangenen Jahr die wichtige Arbeit dieser Einrichtung kennen gelernt und wieder auf Kundengeschenke zu Weihnachten verzichtet, weil wir davon überzeugt sind, dass dieses Geld hier besser aufgehoben ist", so Held. Hospiz-Geschäftsführerin Monika Stumpf und Trauerbegleiterin Carmen Storbakken dankten herzlich und konnten von steigender Nachfrage berichten.

2019 wurden mehr als 60 betroffene Familien begleitet. Viele der Kinder und Jugendlichen können in den regelmäßig stattfindenden Trauergruppen den Verlust eines geliebten Menschen verarbeiten. Die zugehörigen Erwachsenen haben ebenfalls die Möglichkeit, in einer eigenen Gruppe sich auszutauschen.

"In den Gruppen merken die Teilnehmer, dass sie nicht allein sind, sondern andere das gleiche Problem haben und man gar kein Außenseiter ist", so Stumpf.

Am Tag zuvor haben die Kinder in der Trauergruppe ihre eignen „Sorgenbäumchen“ gebastelt. "Manchmal dauert es ein wenig, bis wir bei solchen Aktionen mit den Kindern ins Gespräch kommen, doch dann sprudelt es nur so", erläuterte Storbakken.

Das Thema Lebensende ist ein Thema, das zwar jeden betrifft, aber doch gerne gemieden wird. "Wir sind froh, dass es dieses Haus gibt", so Dietrich und die Herren ließen sich auch über den 3,8 Millionen teuren Anbau informieren und versprachen:

"Wir kommen auf jeden Fall im nächsten Jahr wieder!" (Text: Heike Pöllmitz)

 

 

Ehrhard Schneider spendet 1000 Euro

Die ehrenamtliche Mitarbeiterin Ingrid Pfalzgraf, Ehrhard Schneider und Carmen Storbakken bei der Spendenübergabe. (Foto: Heike Pöllmitz)

Ehrhard Schneider aus Nauborn hat am 23. Dezember seinen 80. Geburtstag mit vielen Gästen gefeiert, die er im Vorfeld um Spenden statt Geschenken gebeten hatte, um eine Spendenaktion zu unterstützen.

"Wir haben eine schöne Feier erlebt und ich bin dankbar, dass meine Gratulanten sehr spendabel waren und ich insgesamt 1550 Euro spenden kann", so Schneider, als er am Donnerstag 1000 Euro an Trauerbegleiterin Carmen Storbakken übergab.

"Den Rest bekommt die Deutsche Krebshilfe, weil dort Grundlagenforschung betrieben wird", so Schneider. Seine Frau hatte von der Erweiterung gelesen und beide waren von der Idee eines Tages-Hospiz begeistert, weil es Angehörigen Freiräume schafft, die dringend benötigt werden.

"Ich habe vor zehn Jahren schon einmal gespendet und bei einer Führung durch das Haus den Eindruck gewonnen, dass die Gäste sich hier behütet und geborgen fühlen können und ihnen alle Wünsche erfüllt werden", so der spendable Jubilar. "Wir versuchen unseren Gästen wenigstens ein bisschen Lebensqualität zu erhalten und sind den Menschen dankbar, die uns finanziell in unserer Arbeit unterstützen", so Storbakken.

Da die Kosten für die palliativpflegerische und -medizinische Betreuung nicht vollständig von den Kranken- und Pflegekassen abgedeckt werden, muss die verbleibende Deckungslücke durch den Träger selbst aufgebracht werden, was jährlich eine Summe von rund 125 000 Euro bedeutet. Dazu kommen 85 000 Euro für "Charly und Lotte", die Trauerbegleitung für Kinder und Jugendliche und deren Angehörige und nun der Erweiterungsbau für rund 3,5 Millionen Euro.

"Ich hoffe, dass sich auch in diesem Jahr wieder viele Spender finden, die diese wertvolle und segensreiche Arbeit unterstützen", so Ehrhard Schneider. (Test: Heike Pöllmitz)

 

 

"Oiggel" spenden 2000 Euro

v.l. Christiane Jost, Carmen Storbakken, Christiane Gröf, Ilona Premer, Petra Gießler, Claudia Weber und Anette Benner mit den Therapie-Puppen Charly und Lotte, die schon so manches traurige Kinderherz erleichtern halfen. (Foto: H. Pöllmitz)

Der Verein "Oiggel und Belleser" aus Hohenahr-Altenkirchen hat 2000 Euro für "Charly und Lotte", die Trauerbegleitung für Kinder und Jugendliche der Hospiz Mittelhessen gGmbH gespendet.

Der Verein, der sich für die Dorfgemeinschaft und den Erhalt der Mundart einsetzt, hatte im Oktober vier mal das Theaterstück "Ganz viernehme Leu" aufgeführt, das Autorin Christiane Gröf ihren Vereinskollegen quasi auf den Leib geschrieben hat. Bereits zum zweiten Mal hatte die engagierte Gemeinschaft mit viel Herzblut eine Menge Zeit für ein Mundart-Theater-Projekt aufgewendet und in vier Aufführungen im Dorfgemeinschaftshaus rund 600 Gäste begeistert. "Besonders die älteren Zuschauer konnten sich mit der Geschichte identifizieren und für Mundartunkundige wurde die hochdeutsche Übersetzung gleich mit geliefert", so Gröf, die zusammen mit Christiane Jost, Ilona Premer, Claudia Weber und Anette Benner die Spende an Petra Gießler, Leiterin von Charly und Lotte" und deren Kollegin Carmen Storbakken übergab.

"Wir hätten nie gedacht, dass in unserer Spendenbox 965 Euro zusammen kommen", schwärmten die Frauen. Der Verein hat die Summe auf 2000 Euro aufgestockt. "Wir haben sehr viel Spaß gehabt, unsere Gäste ebenso und es ist für uns eine Herzensangelegenheit, diese tolle Sache zu unterstützen", so Christiane Jost. "Jedes einzelne Kind ist wichtig, dem hier geholfen wird, aus der Trauer um einen geliebten wieder ins Leben zurück zu finden", findet Gröf.

Gießler berichtete davon, dass der Bedarf an Trauerbegleitung ansteigt und mittlerweile auch schon mal mehr als 40 junge Menschen in den Kursen begleitet werden. "Segensreich ist auch die Arbeit in der noch neuen Musiktherapie-Gruppe", so Gießler. Auch die Familien der Kinder und Jugendlichen werden einbezogen, Lehrer und Erzieher beraten und Fortbildungen angeboten.

Die "Oiggel und Belleser", was so viel wie aufgeweckte, kecke Jungs und Mädchen bedeutet, haben noch eine ganze Reihe anderer Aktivitäten und versprachen, bestimmt wieder zu kommen. (Text: Heike Pöllmitz)

 

 

1000 Euro für Haus Emmaus

v.l. Thomas Cornelius honorierte die beispielhafte Hospizarbeit mit 1000 Euro, die er an Monika Stumpf und Prof. Dr. Günther Brobmann übergab. (Foto: H. Pöllmitz)

Die Volksbank Mittelhessen übernimmt Verantwortung für die Region und fördert 
zahlreiche regionale Initiativen, Vereine sowie soziale und gemeinnützige Einrichtungen durch finanzielle Fördermaßnahmen. Diese Förderung erfolgt über die regelmäßige Ausschreibung von Förderwettbewerben, bei denen Projekte und Ideen eingereicht werden können.

Aus diesen Fördertöpfen mit insgesamt 1,2 Millionen Euro hat Thomas Cornelius, Regionaldirektor der Volksbank Mittelhessen, 1000 Euro an Prof. Dr. Günther Brobmann, Vorsitzender des Förderkreises Hospiz Mittelhessen, übergeben, der damit zu den insgesamt 161 Vereinen gehört, die mit 1000 Euro unterstützt wurden.

"Das Hospiz Haus Emmaus hat einen hervorragenden Ruf und wir begleiten diese verantwortungsvolle Arbeit von Anfang an", so Cormelius und riet Brobmann und Hospiz-Geschäftsleiterin Monika Stumpf, sich auch an den vielen anderen Wettbewerben der Volksbank zu beteiligen. "Heimliche Helden gibt es zum Beispiel in Ihrem Hause sehr viele", nannte er ein Beispiel für das gelebte Miteinander, das die Volksbank gerne unterstützt.

Das Geld soll in den Erweiterungsbau des Hauses Emmaus fließen, für den die Hospiz Mittelhessen gGmbH 3,8 Millionen Euro investiert. Im Sommer 2021 soll der Bau fertig sein, der nicht nur zwei weitere Gästebetten ermöglicht, sondern auch ein hessenweit einmaliges Tageshospiz mit vier Plätzen möglich macht.(Text: Heike Pöllmitz)

 

 

„Eine andere Art der Pflege“ - Dem Sterben Leben geben

Die Teilnehmerinnen Melanie Theis (l.) und Andrea Nebeling tauchen bei der Schulung in die Welt der Düfte ein. (Foto: Anna-Lena Fischer)
Heilpraktikerin Tamara Schäfer lehrt, wie ätherische Öle in der Palliativpflege den Patienten helfen können. (Foto: Anna-Lena Fischer)

In der Palliative-Care-Weiterbildung lernen auch erfahrene Fachkräfte neue Blickwinkel kennen

Von Anna-Lena Fischer

Es duftet nach Pfefferminze, Lavendel und Zitrone, die Dielen knarzen unter den Füßen. Am Ende des schmalen Flures sind Stimmen zu hören, ganz leise hinter der großen Holztür. Jetzt ist Mittagspause und die Teilnehmer des Kurses zum Thema „Ätherische Öle“ nehmen gemeinsam an einem Tisch Platz, es gibt Kaffee und Kekse. Die Situation wirkt familiär, und genau das ist sie auch, wie Stephanie Wagner, stellvertretende Leiterin des Haus Emmaus verrät.

„Die Schulungen in unserer Hospiz- und Palliativ-Akademie haben den ganz großen Vorteil, dass sich die Teilnehmer so schön miteinander vernetzen und bei Problemsituationen im Alltag aufeinander zurückgreifen können“, sagt sie.

Die Kursteilnehmer der Palliativ-Care-Weiterbildung sind nämlich allesamt berufserfahrene examinierte Pflegefachkräfte aus den unterschiedlichsten Einrichtungen des Gesundheitswesens. So ähneln sich die Abläufe in deren Berufsalltag und sie können sich gegenseitig Tipps und Ratschläge geben.

Dass sie einmal eine Weiterbildung in diesem Bereich machen würde, damit hatte Palliativ-Care-Schülerin Melanie Theis noch vor einigen Jahren nicht gerechnet. Die gelernte Altenpflegerin hatte bei einem Außeneinsatz einer Kollegin im Hospiz über die Schulter geschaut. „Ich war gleich angetan von dieser Arbeit und dem besonderen Umgang mit den Patienten“, erinnert sich Theis. Es folgte ein kurzes Praktikum im Haus Emmaus, dann der feste Entschluss, die Weiterbildung zu machen. „Hier lerne ich so viel dazu, gerade was die Zuwendung zum Patienten angeht“, weiß die junge Frau zu schätzen.

Auch ihre Mitstreiterin Andrea Nebeling ist angetan von der Thematik in den Kursen, die von Schmerztherapie über Trauerbewältigung bis zu Kommunikationstrainings alles abdecken. Andrea Nebeling arbeitet als Krankenschwester auf einer geriatrischen Station, dort soll es möglicherweise bald einen palliativ-geriatrischen Bereich geben. „Ich hätte nie gedacht, dass mich die Palliativpflege so bereichern würde“, erzählt die Kursteilnehmerin. Auch sie empfindet die Zuwendung zum Patienten in diesem Bereich als eine schöne Arbeit. Dass diese individuelle Betreuung auch etwas mit Düften zu tun haben kann, lernt Andrea Nebeling bei Fachreferentin Tamara Schäfer.

Die gelernte pharmazeutisch-technische Assistentin ist Expertin im Bereich Düfte und ätherische Öle. Sie weiß, wie sehr ein guter Duft einem Menschen helfen kann, der unter Schmerzen leidet. „Es geht dabei um das Wohlbefinden des Patienten“, beschreibt die Dozentin. Dabei sei es eben nicht damit getan, dass etwas schön rieche, sondern es stehe der palliativtherapeutische Aspekt im Fokus.

Zur Dufttherapie ist Tamara Schäfer durch die Krankheit ihres Vaters gekommen, der über mehrere Jahre pflegebedürftig war. „In dieser Zeit habe ich gemerkt, wie wirkungsvoll ätherische Öle für einen erkrankten Menschen sind“, erinnert sich Schäfer. Schon seit nunmehr 19 Jahren lehrt die Heilpraktikerin die Kunde der Öle, bei der es neben der Botanik vor allem um das Riechen und Erkunden der Düfte geht.

So finden sich in der Akademie die Teilnehmer zusammen, um gemeinsam die Welt von Lavendel, Zitrone, Pfefferminze und Co. zu entdecken. „Es kommt darauf an, aus einer Vielfalt verschiedenster Düfte genau das Richtige für einen Patienten herauszusuchen“, ergänzt Schäfer. Das schult die Duft-Expertin in der Akademie.

Für die Teilnehmer des Kurses von Tamara Schäfer ist es der zweite von acht thematischen Blöcken im Turnus der 200-stündigen Weiterbildung. Insgesamt dauert eine solche Palliativ-Care-Schulung etwa sechs bis sieben Monate. Das Anfertigen einer Hausarbeit zu einem gewählten thematischen Schwerpunkt schließt die Weiterbildung ab. Stephanie Wagner empfiehlt vor allem Menschen mit etwas längerer Berufserfahrung diese Qualifikation in der Hospiz- und Palliativ-Akademie Mittelhessen. „Es ist eben eine andere Art der Pflege, darauf können sich ganz frisch ausgebildete Pflegefachkräfte meist noch nicht einlassen“, weiß Wagner.

Überwiegend kommen Pflegekräfte durch ein Praktikum zur Hospizarbeit. So ähnlich war es auch bei Dagmar Janssen, die im Haus Emmaus Pflegerin ist. Im Alter von 57 Jahren wagte sie noch einmal den Berufswechsel und verließ ihren alten Arbeitsplatz als Dialyse-Schwester.

„In meinem privaten Umfeld stieß das teilweise auf Erschütterung und ich wurde gefragt, wie ich das aushalten kann, ständig mit Leid und Tod auseinandergesetzt zu sein“, erinnert sich Dagmar Janssen. „Ich habe dann immer gesagt, dass ich durch die Arbeit im Hospiz einen anderen Zugang zum Tod gefunden habe und mich die intensive Zuwendung zu den Patienten einfach bereichert“, strahlt die Pflegerin.

An diesem Tag in der Hospiz- und Palliativ-Akademie Mittelhessen wird deutlich, dass die Arbeit im Hospiz besondere Herangehensweisen erfordert, die von den Teilnehmern mit Herzblut verinnerlicht werden.

Wetzlarer Neue Zeitung, 23. Dezember 2019, Seite 9

 

 

 

Wochenlange Arbeit hat sich gelohnt

Den Erlös des Weihnachtsmarktes in Hof Lerbs überreichen die Organisatoren an das Hospiz Mittelhessen (Foto: H. Pöllmitz)

Erlös des Marktes in Hof Lerbs für „Charly&Lotte“

(hpz). Sabrina Lerbs und Diana Zilz-Vogel überreichten 3540 Euro an Monika Stumpf, Geschäftsführerin der Hospiz Mittelhessen gGmbH. Die Summe war der Erlös des bereits vierten adventlichen Hoffestes der Familie Lerbs, zu dem mehr als 200 Gäste gekommen waren, um sich auf Weihnacht einstimmen zu lassen. Jeder trägt dazu bei, den Spendentopf für Charly&Lotte zu füllen, damit die Trauerbegleitung für Kinder und Jugendliche im Rahmen der Hospizarbeit finanziert werden kann. Rund 85 000 Euro werden jährlich für dieses Angebot aus Spendengeldern aufgebracht, das in diesem Jahr schon seinen fünften Geburtstag feiern konnte. „Wir möchten uns ganz herzlich bei allen bedanken, die uns immer so tatkräftig unterstützen, für die ganzen Sachspenden und vor allem auch ein Dankeschön an die Menschen, die den Weg zu uns finden und uns damit zeigen, dass die ganze wochenlange Arbeit sich lohnt.“

Wetzlarer Neue Zeitung, 21. Dezember 2019, Seite 13

 

 

Grundstein für das Tageshospiz liegt

Ein Bild der Freude von einem historischen Moment: Monika Stumpf (vorne l.) und Tobias Gottschalk legen die Zeitkapsel für den Grundstein des Tageshospizes an ihren anbestimmten Platz. (Foto: Heike Pöllmitz)

Der voraussichtlich 3,8 Millionen Euro teure Erweiterungsbau soll im Frühjahr 2021 fertig sein

Von Heike Pöllmitz

Nach dem ersten Spatenstich im August ist am Mittwoch der Grundstein des 3,8 Millionen Euro teuren Erweiterungsbaus für das stationäre Hospiz Haus Emmaus gelegt worden.

„Für uns ist heute ein ganz besonderer Tag und es ist ein unbeschreibliches Erlebnis, heute den Grundstein für den Erweiterungsbau zu legen“, sprach Geschäftsführerin Monika Stumpf allen Mitarbeitern und -streitern aus dem Herzen. „Mitarbeiter und Gäste, die uns gespannt zuschauen, haben gute Wünsche in die Zeitkapsel getan. Und wir sind einfach nur glücklich, dass es nun so weit ist“, so Stumpf. Sie erinnerte an Erich Koob und Dieter Heinrich, ohne die sich der Traum vom stationären Hospiz in Mittelhessen nicht erfüllt hätte.

Konzept der Versorgung zeichnet die Region aus

Mathias Müller vom Planungsbüro Keul und Müller erinnerte an die Anfänge vor drei Jahren, an den emotionalen Moment der ersten Begegnung mit dem Haus Emmaus: „Ich habe die liebevolle Arbeit hier kennengelernt, in der Leben und Lachen ebenso im Mittelpunkt stehen wie Abschied und Tränen. Und ich danke allen für diese Möglichkeit, Angehörige würdevoll zu begleiten.“ Durch den zweimaligen Einsatz des Kampfmittelräumdienstes sei es zu Verzögerungen gekommen, erläuterte Müller. „Doch wenn heute die Hülse in die Armierung der Bodenplatte einbetoniert ist, kann sie gegossen werden und der weitere Ausbau durch heimische Firmen beginnen“, ergänzte er. Der Kostenrahmen konnte bisher eingehalten werden, und für das Frühjahr 2021 ist die Fertigstellung der Baumaßnahme geplant. Das Architekturbüro übergab das erste Geldgeschenk zur Feier des Tages, dem noch etliche folgten.

„Als ich vor mehr als 15 Jahren mit Erich Koob über das Hospiz gesprochen habe, hätte man nicht gedacht, dass wir heute hier stehen. Doch dank der engagierten Arbeit vor Ort entwickelt sich das Haus Emmaus, bekommt jetzt einen Teilbereich Tagesstätte und aus den vier neuen Plätzen werden – wie ich Sie kenne – sicher mehr“, scherzte Landrat Wolfgang Schuster (SPD). „Mit dem ersten Tageshospiz in Hessen und dem zwölften bundesweit wird eine Dienstleistungslücke geschlossen. Bis wir uns im Frühjahr 2021 wieder hier treffen, verspreche ich, so viel wie möglich Spenden anzukitzeln, damit der Rest der Kosten, der aus Spenden gedeckt wird, auch noch finanziert wird“, sagte er. „Die Weiterentwicklung mit ambulanten Plätzen war wieder eine Herausforderung und mit einem guten Stück Innovationskraft wurde gezeigt, dass es sich lohnt, dicke Bretter zu bohren“, so Oberbürgermeister Manfred Wagner (SPD).

„Das Gesamtkonzept der Patientenversorgung mit Krankenhaus, Palliativ-Versorgung und Hospiz mit Erweiterung durch tagesstationäre Plätze im engen Zusammenschluss zeichnet unsere Region aus“, bekräftigte Norbert Köneke, Vorsitzender der Hospiz-Gesellschafter.

Monika Stumpf und der ehrenamtliche Geschäftsführer Tobias Gottschalk gaben die Zeitkapsel ins Fundament, wo sie einbetoniert wurde.

Wetzlarer Neue Zeitung, 19. Dezember 2019, Seite 11

 

 

Familie Lerbs hat viele Gäste

Im weihnachtlich geschmückten Hof der Familie Lerbs tummeln sich rund 200 Gäste beim adventlichen Treffen. (Foto: Heike Pöllmitz)

Viertes Adventsfest im Hof in Münchholzhausen zugunsten von „Charly und Lotte“

(hpz). Bereits zum vierten Mal hat die Familie Lerbs in Münchholzhausen am Samstagnachmittag ihr großes Hoftor geöffnet und zum vorweihnachtlichen Beisammensein eingeladen. Für einen guten Zweck versteht sich: Einmal mehr ist der Erlös für „Charly und Lotte“, die Trauerbegleitung für Kinder und Jugendliche der Hospiz Mittelhessen gGmbH, bestimmt.

Zahllose Lichter verbreiten Behaglichkeit

Um die 200 Menschen kamen, um das liebevoll vorbereitete Adventsfest zu erleben, auch wenn das Wetter denkbar ungünstig war. Tausende Lichtpunkte von Lichterketten, Laternen, Weihnachtsbaum und Fensterdekorationen sorgten für einen warmen Schimmer, der Behaglichkeit verbreitete. In der ausgebauten Schmiede, wo seit einigen Wochen donnerstags gebastelt wurde, knisterte ein warmes Feuer im Ofen und in der Weihnachtswerkstatt konnte man Plätzchen, Eierlikör, warme Stricksocken, Genähtes und Basteleien aller Art kaufen.

Im Hof brutzelte Stefan Schmidt die von ihm spendierten Bratwürstchen. Die gespendeten Bockwürste der Metzgerei Wagner, Brezeln, Schmalzbrote, Glühwein und mehr fanden ebenso reißenden Absatz. Die Kinder konnten sich schminken lassen. Voice Kids-Teilnehmerin Jouline aus Lützellinden und Martina Schnorr, Sprecherin der Ortsvereinsgemeinschaft mit markanter Stimme, sorgten für weihnachtliche Klänge.

Ideengeberin Sabrina Lerbs freute sich über den guten Besuch durch Nachbarschaft, Freunde und Fans des adventlichen Nachmittags, der den Sinn des Christfestes unterstreicht, den nicht die Geschenke, sondern die herzlichen Momente des Miteinanders ausmachen – für alle Generationen.

So kommt eines zum anderen, alle profitieren und am Ende wird die Arbeit von „Charly und Lotte“ unterstützt. „Wir könnten ja auch einfach eine Summe spenden, aber so kommt mehr zusammen und viele Menschen haben etwas davon“, freut sich Sabrina Lerbs.

Wetzlarer Neue Zeitung, 17. Dezember 2019, Seite 12

 

 

Auf einmal ist Papa ein Stern - Dem Sterben Leben geben

Auch der Besuch auf dem Friehof kann zum Ritual werden, das dabei hilft, den Verlust zu verarbeiten (Foto: Manuela Jung / Montage: Konrad Steinhaus)
Sie begleiten Kinder, Jugendliche und deren Eltern nach dem Verlust eines geliebten Menschen: Die Trauerbegleiterinnen Petra Gießler (l.) und Carmen Storbakken (r.) mit Manuela Schmidt, Heilpraktikerin für Psychotherapie. Immer mit dabei: die Maskottchen Charly und Lotte. (Foto: Manuela Jung)

Hospizmitarbeiterinnen helfen Kindern und Eltern, den Verlust eines geliebten Menschen im Leben zu integrieren

Von Manuela Jung

Verzweifelte Mütter oder Väter und Kinder, bei denen die Welt von heute auf morgen kopfsteht. Es gibt wohl kaum etwas Schlimmeres, als den geliebten Partner oder den eigenen Vater als junger Mensch zu verlieren. Und doch werden Familien von Krankheit, Unfällen oder Suizid heimgesucht. In ihrer tiefen Trauer brauchen sie professionelle Hilfe.

Das Hospiz Mittelhessen ist sich auch hier seiner gesellschaftlichen Verantwortung bewusst und sieht die Trauerbegleitung, neben der Sterbebegleitung, als einen wesentlichen Bestandteil seiner Arbeit. So werden junge Familien auf ihrem Weg hin zu einem lebenswerten Leben trotz eines tragischen Verlusts maßgeblich unterstützt. Denn immer wieder müssen sie erleben, wie sich Kinder von einem Elternteil verabschieden müssen. Dass das etwas völlig anderes ist als einen geliebten Menschen im hohen Alter zu verlieren, wissen Manuela Schmidt und Carmen Storbakken: „Es gibt viele Trauergruppen für Angehörige. Aber in aller Regel ist der Altersdurchschnitt deutlich höher, sodass sich die jungen Betroffenen dort nicht wiederfinden“, sagt Carmen Storbakken.

Aus diesem Grund leitet die Trauerbegleiterin gemeinsam mit Manuela Schmidt seit fünf Jahren eine Trauergruppe für hinterbliebene Angehörige mit Kindern, die ein Familienmitglied auf tragische Weise verloren haben: „Hier sitzen Mütter – ab und an auch mal Väter – zusammen, die alle etwas ähnliches erlebt haben und daher wissen, wie es den anderen geht“, schildert Manuela Schmidt. Die Heilpraktikerin für Psychotherapie weiß: „Dass die Menschen hier ganz bewusst ihre Trauer spüren können, ist der Gewinn der Gruppe.“

Zur gleichen Zeit einige Meter weiter: Hier treffen sich parallel zu den Eltern die Kinder oder Jugendlichen in kleinen Gruppen. Zwei Stunden lang reden, basteln, essen und bewegen sich die jungen Leute miteinander: „Die einen sind sehr sprachbegabt und werden so ganz viel los, andere Kinder wollen toben, um so das Erlebte loszuschütteln“, sagt Petra Gießler. Sie ist Koordinatorin des Hospizprojektes „Charly und Lotte“ des Hauses Emmaus, das schwerpunktmäßig Kinder und Jugendliche sowie deren Familien in ihrer Trauer begleitet.

Petra Gießler weiß, dass Kinder ganz anders trauern als Jugendliche oder gar Erwachsene: „Erst mit etwa zwölf Jahren kommt das Verständnis dafür, dass ein Verstorbener nicht mehr wiederkehrt und nur noch in der Erinnerung lebt.“ Deshalb arbeiten die Mitarbeiterinnen jeweils nach unterschiedlichen Konzepten, aber: „Das Rahmenthema bei den Erwachsenen ist dem der Kinder angepasst“, weiß Storbakken. Was wiederum nicht heißt, dass die Gruppen nicht davon abweichen dürften: „Wir legen unseren Fokus immer darauf, was von den Teilnehmern kommt. Das Wichtigste ist, dass wir den Betroffenen gerecht werden und ihnen Zeit schenken, ihre Ängste und Sorgen loszuwerden“, sagt Schmidt.

Wie bin ich stark vor meinem Kind? Wo ist Papa jetzt und warum kommt er nicht wieder? Wie kann ich Mama beschützen? Es sind viele Fragen auf beiden Seiten, und immer wieder geht es darum, einen gemeinsamen Weg aus der Trauer zu finden, ohne Schmerz und Leid zu unterdrücken: „Das Wichtigste für die Eltern ist es, authentisch zu bleiben“, davon ist Manuela Schmidt überzeugt, „es bringt nichts, wenn ich meinem Kind den ganzen Tag erzähle, dass ich Zwiebeln schälen muss, weil ich nicht aufhören kann zu weinen. Viel besser ist es, ehrlich zu sein und zu sagen: ,Ich bin gerade nicht stark’.“

Zurück in den Trauergruppen: Heute basteln die Kinder Sterne. Für viele ist es eine tröstliche Vorstellung, dass Papa jetzt auch ein Stern ist und von oben herunterschaut. Über das Basteln kommen die Kinder miteinander ins Gespräch und verarbeiten so ihre Trauer. Die Jugendlichen haben einen etwas höheren Anspruch, aber das Ziel ist immer das selbe: „Wir wollen Kommunikation und Selbstbewusstsein stärken und den Kindern ihre Kraftquellen aufzeigen“, schildert Petra Gießler.

Nach zwei Stunden holen die Eltern ihr Kind ab. Beide – manchmal sind auch mehrere Kinder in der Gruppe – haben eine fordernde Zeit hinter sich, weil sie sich ganz bewusst mit ihrer Trauer auseinandergesetzt haben. „Oft kommt es dann auf dem Nachhauseweg zu besonders guten Gesprächen“, weiß Gießler aus Rückmeldungen dankbarer Elternteile.

Das nächste Treffen findet vier Wochen später statt. Zeit, in der die Angehörigen die Erfahrungen der Gruppenstunde auf ihren Alltag anwenden können. „Nachdenken braucht viel Zeit“, sagt Petra Gießler, „deshalb die großen Abstände.“ Nach einem halben Jahr erfährt die Trauerbegleiterin in einem persönlichen Gespräch, was sich für die Kinder und Jugendlichen verändert hat. Sind die Familien so stark, ihren Weg nun alleine weiterzugehen, heißt es auch hier Abschied nehmen.

Gießler weiß: „Oft sind die jungen Leute zugänglicher und gesprächsbereit geworden, und auch die Eltern haben einen Weg gefunden, ihre Trauer im Alltag zu integrieren. Wenn wir das erreicht haben, sind wir einmal mehr froh, dass wir den Familien eine so große Stütze sein können.“

Wetzlarer Neue Zeitung, 16. Dezember 2019, Seite 9

 

 

„Fünf Wochen voller Liebe“ - Dem Sterben Leben geben:

Berührungen, Zeit miteinander verbringen, Abschied nehmen und ein Umfeld, dass das in ruhiger Art und Weise möglich macht: Das ist für die Angehörigen und die Sterbenden wichtig (Foto: Henry Bründl)
Am Ende fällt der Abschied unfassbar schwer. Und dennoch ist es für Anette Bründl ein wahrer Segen, dass ihre Mutter im Hospiz sterben durfte. (Foto: Henry Bründl)

Für viele Angehörige ist das Hospiz ein Ort, der langersehnte Ruhe bringt.

Von Manuela Jung

„Als ich hier ankam, war es für mich so, als würde ich nach Hause kommen. Ich wusste, dass ich endlich nicht mehr kämpfen muss“, sagt Anette Bründl. Vor einem halben Jahr stirbt ihre Mutter im Hospiz Mittelhessen in Wetzlar an den Folgen eines Hirntumors. Dort, wo Anette Bründl vor 15 Jahren schon einmal einen geliebten Menschen verloren hat.

Für die 52-Jährige ist es ein bisschen so, als würde sich die Geschichte wiederholen. Im Jahr 2004 erfährt ihre Schwester, dass sie einen Tumor im Kopf hat, der sich nicht ohne schwerwiegende Folgen operieren lässt. „Meine Schwester war gerade einmal 47 Jahre alt, für uns kam die Diagnose völlig unerwartet“, erinnert sich Anette Bründl. Für die Familie bricht eine Welt zusammen, eine Welt, in der das Hospiz Mittelhessen und die professionelle Arbeit der Palliativmediziner vor Ort plötzlich eine zentrale Rolle einnehmen.

Eine wichtige Zeit, die die Familie bewusst genießt

Die letzten drei Monate ihres Lebens verbringt ihre Schwester Bärbel im „Haus Emmaus“ in Wetzlar; für die Familie wichtige Zeit, die sie ganz bewusst nutzen kann: „Wir mussten uns plötzlich um nichts mehr sorgen, alle Last wurde uns genommen. Hier gab es Leute, die uns verstanden und daran erinnert haben, auch mal wieder an uns selbst zu denken“, sagt Anette Bründl. Vor einem halben Jahr sind diese Leute, die „uns verstehen“, plötzlich wieder da. Und auch diesmal haben sie Verständnis für alle Entscheidungen der Bründls: „Meine Mutter hatte genau den gleichen Tumor, und ich wusste, dass eine Operation nicht mehr sinnvoll gewesen wäre. Dafür mussten wir uns im Krankenhaus rechtfertigen vor Ärzten, die nicht verstanden haben, warum wir eine OP nicht wenigstens in Betracht ziehen. Das hat unendlich viel Kraft gekostet. Doch dann durften wir meine Mutter ins Hospiz bringen, und endlich kehrte Ruhe ein“, erinnert sich die Kinderkrankenschwester.

Wieder verliert Anette Bründl einen Menschen im Hospiz. Diesmal bleiben der Familie nur fünf Wochen, doch die 52-Jährige weiß: „Es waren fünf Wochen voller Liebe. Meine Mutter hat ihr Schicksal angenommen und selbst noch so viel Liebe gegeben. Das hat unsere Situation deutlich erleichtert.“

Leicht ist der Abschied am Ende trotzdem nicht. Auch nicht, obwohl die Kinderkrankenschwester und ihr Ehemann Henry als Rettungshubschrauberpilot immer wieder mit dem Thema „Tod“ konfrontiert werden: „Das Know-how hilft bei mancher Entscheidung, aber es macht die Situation nicht einfacher. In dieser schweren Zeit ist man eben doch nur ein Angehöriger“, sagt Henry Bründl.

Auf einmal stehen Anette und Henry Bründl auf der anderen Seite. Diesmal sind es nicht sie, die andere trösten, ihnen Mut machen und sie erinnern, an sich selbst zu denken. Diesmal sind es die Mitarbeiter im Hospiz, die die Bründls unterstützen, wo sie nur können: „Dafür bin ich unendlich dankbar“, sagt Anette Bründl, „Ich kann das alles mit Geld nicht bezahlen, was uns hier gegeben wurde.“ Sie wollte, dass ihre Mutter keine Schmerzen mehr hat, dass ihr Hunger und Durst gestillt werden und sie in den letzten Wochen ihres Lebens viel Liebe erfährt. Mehr nicht. All das bekommt die 88-Jährige ab der ersten Stunde im Hospiz. Die Familie kann rund um die Uhr kommen, zum Lachen, Weinen, Erinnern und schließlich auch zum Abschied nehmen.

Ein gutes Gefühl, das Anette Bründl mit Dankbarkeit erfüllt: „Wir hätten meine Mutter nicht alleine pflegen können. Das Hospiz war für uns ein wahrer Segen.“

Nach einem halben Jahr lässt der Schmerz über den Verlust ihrer Mutter langsam nach, „es gibt bessere und schlechtere Tage, aber die besseren werden langsam wieder mehr“, sagt Henry Bründl. Auch er ist dankbar, dass das Hospiz die Familie voller Hingabe unterstützt hat. Und beide sind sich einig, dass auch sie ihre letzten Tage und Wochen als Gast im Hospiz verbringen würden.

Dass es ihr einmal ergehen könnte, wie ihrer Schwester und ihrer Mutter, davor hat Anette Bründl keine Angst.

Aber etwas ganz Wichtiges haben sie und ihr Ehemann aus beiden Verlusten gelernt: „Wir leben jetzt und hier, jeden Tag. Und wir dürfen nicht immer darauf warten, dass er endlich vorbei ist. Stattdessen sollten wir es uns immer so schön wie möglich machen.“

Wetzlarer Neue Zeitung, 09. Dezember 2019, Seite 9

 

 

Fleißige Handwerker für's Hospiz

V.l. Amine Janji, Markus Kluth, Pfarrer Christian Silbernagel, Monika Stumpf, Ingrid Hof, Christa Schneiberg, Eva Morgenstern und Petra Gerbig bei der Spendenübergabe. (Foto: Heike Pöllmitz)

Die Montagshandwerker des Bezirks Büblingshausen in der evangelischen Kirchengemeinde Wetzlar haben am 1. Novembersonntag einen Basar veranstaltet, aus dessen Erlös sie 2.065 Euro an die Hospiz Mittelhessen gGmbH spendeten.

Zusammen mit Pfarrer Christian Silbernagel kamen Amine Janji, Christa Schneiberg, Petra Gerbig, Eva Morgenstern sowie Ingrid Hof und der stellvertretende Küster Markus Kluth, in deren Händen die Organisation der Veranstaltung zusammen lief, ins Haus Emmaus zur Übergabe der stolzen Summe an Geschäftsführerin Monika Stumpf.

Seit drei Jahren führen dreizehn fleißige Damen und ein Mann die Tradition des Frauenarbeitskreises fort, der 40 Jahre lang tätig war und sich in diesem Jahr auflöste. Bis zu den Sommerferien treffen sich die Montagshandwerker vierzehntägig in der Gnadenkirche und danach jede Woche, um den Basar im evangelischen Gemeindehaus vorzubereiten und auch zu Hause wird eifrig gestrickt, genäht und gehäkelt. "Das kreative Team hat immer neue tolle Ideen", so Silbernagel. So gab es beim Basar von der gestrickten Socke, Handpuppen und Weihnachtskrippen, über Kräutersalz, genähten Kissen und Leuchtflaschen, bis hin zu Gestecken, Betonarbeiten, Seifen und anderen Deko-Sachen, die alle in Handarbeit entstanden, ein vielfältiges Angebot. Auch die Marmeladen und Plätzchen, wie Spezialitäten wie das "Büblingshäuser Gnadenpfläumchen" oder der "Gnadenkümmel", kamen sehr gut an.

Da der Basar um die Mittagszeit begann, hielten die Montagshandwerker auch sechs verschiedene Suppen und Würstchen bereit, die reißenden Absatz fanden, von dem umfangreichen Kuchenbüffet und den Waffeln ganz zu schweigen. So nutzten die Besucher den Basar auch als gemütliche Runde in guter Gemeinschaft, die auch die Gastgeber in den vielen Arbeitsstunden übers Jahr genießen. "Wir haben natürlich das Ziel des Erlöses bekannt gegeben und uns über die große Resonanz gefreut", sagte Ingrid Hof und ihre Begleiterinnen stellten einhellig fest: "Da haben wir doch alles richtig gemacht!", als Monika Stumpf ihnen ihre Fragen zur Arbeit im Haus Emmaus beantwortet hatte.

"Das Hospiz lebt vom bürgerlichen Engagement, denn die Krankenkassen finanzieren nur 95 Prozent unseres kostenlosen Hospizangebotes", erklärte Stumpf. "Jeder kann mitmachen, auch viele kleine Spenden können Großes bewirken und jeder Euro zählt." Charly und Lotte, die Trauerbegleitung für Kinder und Jugendliche, wird mit 85.000 Euro pro Jahr gänzlich aus Spenden finanziert und der Erweiterungsbau für 3,8 Millionen Euro ist eine ebenso große finanzielle Herausforderung.

"Dann hoffen wir mal, dass noch viele Spenden diese segensreiche Arbeit unterstützen", so Pfarrer Silbenagel. Materialspenden nehmen die Montagshandwerker übrigens gerne entgegen. (Text: Heike Pöllmitz)

 

 

Wetzlarer Lions spenden dreifach

Spendenübergabe (v.l.): Lions-Präsident Stephan Wagner mit Stefan Zeiger, Wolfgang Velten, Monika Stumpf, Martin Vogler, Thomas Brendel und Dirk Braun (Foto: Heike Pöllmitz)

Dr. Wagner, Präsident des Lions Clubs Wetzlar, hieß jetzt in dessen Clublokal, dem Wetzlarer Hof, die Empfänger der diesjährigen Fördermittel des Clubs willkommen.

 

In den fast 50 Jahren seines Bestehens hat der Club mit rund 710.000 Euro karitative und kulturelle Institutionen unterstützt und 45.000 unentgeltliche Arbeitsstunden geleistet. Neben Spenden der Mitglieder und von Dritten, der Mitwirkung bei Apfelmarkt, Weinfest und sonstigen Aktivitäten wie Benefiz-Golfturnier und -Konzerte, Weihnachtsmarkt und Charity-Veranstaltungen allgemeiner Art, sind die Wetzlarer Lions in jedem Jahr beim Gallusmarkt dabei, verkaufen Speisen und Getränke und organisieren eine Tombola mit namhaften Preisen.

 

Aus dem Erlös konnten 5.700 Euro an den Verein Menschen für Kinder (2.000), das Dunkelkaufhaus (1.200) und die Hospiz Mittelhessen gGmbH (2.500) übergeben werden. Außerdem wird für den Kinderschutzbund alljährlich ein Abenteuerspieltag im Outdoor-Zentrum veranstaltet (1.500) und die Senioren der Königsberger Diakonie erleben mit den Lions eine Kaffeefahrt (1.000).

 

"Aktuell liegt der Schwerpunkt der Unterstützung durch den Club bei Maßnahmen zur Förderung von benachteiligten Jugendlichen", so Wagner. Die 41 Mitglieder haben in der Vergangenheit von der Lebenshilfe Wetzlar-Weilburg und dem Albert-Schweizer-Kinderdorf, über die Stiftung "Alte Menschen in Not", das Altenzentrum Wetzlar und die Musikschule Wetzlar, bis hin zum Dombauverein und dem Klinikum Lahn-Dill eine Menge Institutionen unterstützt und auch für überregionale Maßnahmen wie den Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche oder Friedensdorf Oberhausen Gelder zur Verfügung gestellt. Manche der Spendenempfänger wurden auch mehrfach bedacht.

 

Stefan Zeiger, Wolfgang Velten und Martin Vogler stellten den Segeltörn des Vereins "Menschen für Kinder" vor, für dessen Organisation und Durchführung in 2020 die Summe bestimmt sein soll. "Wir werden mit 20 langzeit- und lebensbedrohlich erkrankten Jugendlichen mit einem Zweimastschoner auf dem Ijsselmeer unterwegs sein, haben natürlich auch Ärzte und Schwestern dabei und einige Jugendliche aus der Kirchengemeinde Albshausen-Steindorf, die mit großem Engagement dabei sind", so Zeiger.

 

Das Dunkelkaufhaus, das Menschen im Dunkeln vermittelt, wie es ist, wenn man schwarz sieht, braucht nach zehn Jahren neue Barhocker, die besonders stabil sein müssen, wie Thomas Brendel und Dirk Braun erläuterten.

 

"Wir werden die Summe auf unsere Trauerbegleitung für Kinder und Jugendliche, Charly und Lotte, und den Erweiterungsbau aufteilen, der im Moment entsteht", so Monika Stumpf, Geschäftsführerin der Hospiz Mittelhessen gGmbH, die jährlich mit 85.000 Euro aus Spendengeldern die Trauerbegleitung finanziert und für die Baumaßnahme 3,8 Millionen Euro ausgibt, um nicht nur mehr Platz für Gäste zu haben, sondern auch ein Tageshospiz anzubieten.(Text: Heike Pöllmitz)

 

 

 

Hospizarbeit bekannt machen

Tauschen sich über die Arbeit des Förderkreises vom Haus Emmaus aus (v.l.): Werner Scherer, Dagmar Schmidt, Günther Brobmann, Monika Stumpf und Stephanie Wagner. Foto: Anna-Lena Fischer

Förderkreis organisiert materielle und ideelle Hilfe für das Haus Emmaus in Wetzlar

Von Anna-Lena Fischer

„Wir möchten das Hospiz als Einrichtung der Öffentlichkeit näher bringen und vermitteln, dass es hier eben nicht um Sterbehilfe, sondern um aktive Lebenshilfe und Sterbebegleitung geht“, sagt Günther Brobmann, Vorsitzender des Förderkreises des Haus Emmaus.

Es sei immer ein heikles Thema für viele Menschen, sich mit einem Hospiz als Pflegeeinrichtung auseinanderzusetzen, fügt Brobmann hinzu. „Schließlich geht es dabei mitunter um die letzte Lebensphase eines kranken Menschen und demzufolge eben auch um Verlust und Trauerbewältigung für Angehörige – das sind hochemotionale Dinge“, sagt der pensionierte Chirurg.

Der Förderkreis arbeitet seit nunmehr 15 Jahren mit Aktionen rund um das Hospiz daran, dieses sensible Thema in die städtische Gesellschaft und das öffentliche Leben in Wetzlar und der Umgebung zu integrieren.

Was im Mai 2004 mit knapp 45 Mitgliedern begann, ist inzwischen zu einer Vereinigung von 430 Menschen geworden. Hinzu kommt das Kuratorium als weiteres Gremium mit Werner Scherer als erstem Vorsitzenden, bestehend aus 25 Personen des gesellschaftlichen Lebens in Wetzlar. Unterstützt wird der Förderkreis ebenfalls tatkräftig von zahlreichen Service-Clubs der Region.

Der stetige Mitgliederzuwachs des Förderkreises verdeutlicht, dass sich immer mehr Menschen für das Hospiz einsetzen. Das Haus Emmaus gehört auf diese Weise heute längst zum städtischen Leben dazu: Benefizveranstaltungen, Spendenaufrufe und viele weitere Aktionen wecken regelmäßig das Interesse der Bürger.

Auf die Thematik aufmerksam machen, darum geht es den Mitgliedern des Fördervereins in erster Linie, und genau das gelingt Schritt für Schritt immer besser, wie Monika Stumpf, Geschäftsführerin im Haus Emmaus rekapituliert: „Die palliativmedizinische und -pflegerische Begleitung in unserem Haus wird heute von Menschen mit ganz unterschiedlichen Erkrankungen wahrgenommen.“

Vor allem auch durch etablierte Maßnahmen der Trauerbewältigung zeichnet sich das Haus Emmaus aus.

Es sind eben oftmals die Akteure und die Helfer hinter den Kulissen, die eine gemeinnützige Organisation wie das Hospiz Mittelhessen zu einem ganz großen Teil mit tragen. Doch neben dem ideellen Wert, den der Förderkreis vertritt, geht es bei seiner Arbeit stets verstärkt darum, das Hospiz finanziell zu unterstützen. Mit den Spenden wird zum einen die Qualität der Gästeversorgung gesichert, zum anderen werden damit außerplanmäßige Anschaffungen wie beispielsweise ein neues Vordach oder neue Möbeln finanziert.

Der Förderkreis meistert diese finanzielle Herausforderung einerseits durch fixe Mitgliedsbeiträge, auf diese Weise kommen jährlich etwa 30 000 bis 35 000 Euro zusammen. Durch Benefiz-Veranstaltungen und Spendenaktionen wird der Rest gesammelt. Zudem gibt es Großspender und ab und an einen Nachlass zugunsten des Hauses.

Bislang rein durch Spenden finanziert wird die Trauerbegleitungsinitiative „Charly & Lotte“ für Kinder und Jugendliche. Im Gespräch zwischen den Mitgliedern des Förderkreises und der Bundestagsabgeordneten Dagmar Schmidt (SPD) hebt die Politikerin hervor, dass sich „durch das neue Hospiz- und Palliativgesetz vieles zum Positiven verändert hat.“

Kassen sollten mehr für„Charly & Lotte“ tun

Zum Beispiel sei der Eigenanteil für die Gäste weggefallen, jedoch sei es wünschenswert, so Schmidt, dass auch „Charly & Lotte“ im Rahmen des Präventionsgesetzes durch die Krankenkassen gefördert werde. Bislang fällt die Organisiation nämlich nicht ins Raster. Eine Vollfinanzierung der Hospizarbeit würden die Gesprächsbeteiligten allerdings weitestgehend ablehnen. Bestünde doch hier die Gefahr, dass sich die Hospizarbeit vom bürgerlichen Engagement zu einem reinen Wirtschaftsunternehmen entwickeln könnte, so Brobmann, Scherer und Stumpf sinngemäß. Die Hürde, jedes Jahr aufs Neue Gelder zu sammeln, meistern die Mitglieder des Förderkreises gerne. Monika Stumpf und Günther Brobmann sind als Urgesteine des Hauses Emmaus seit Gründung des Vereins im Mai 2004 mit dabei und sie wissen, dass die Spendenaktionen wichtig sind, um an die Gesellschaft heranzutreten. Gerade Großaktionen wie beispielsweise „Helft uns helfen“ in Zusammenarbeit mit dieser Zeitung haben eine große Reichweite.

Die Arbeit des Förderkreises zeichnet sich durch vielfältige Angebote aus, zum Beispiel durch das Herausgeben des Magazins „Hospiz-Journal“, das einmal jährlich über Neuheiten im Haus Emmaus informiert und darüber hinaus spannende Einblicke in die Arbeit des Förderkreises gewährleistet, die somit transparent bleibt und für alle Interessierten zugänglich ist.

Ebenfalls findet einmal im Jahr das sogenannte „Hospiz-Forum“ statt. „Dabei gastieren Fachleute bei uns und diskutieren über das Hospiz- und Palliativwesen“, erläutert Werner Scherer.

Ein reger Ideenaustausch und das Organisieren von solchen und weiteren Veranstaltungen zeichnet die Förderer aus und nimmt den Großteil der Zeit während der regelmäßigen Sitzungen ein. Aktionen werden ausgetüftelt, um weitere Fürsprecher zu gewinnen. Monika Stumpf verrät, dass der Förderverein ehrgeizig auf die magische Mitgliederzahl von 500 Menschen hinarbeitet, denn je mehr Hände mit anpacken, desto mehr lässt sich gemeinsam Gutes bewegen.

Wetzlarer Neue Zeitung, 19. November 2019, Seite 9

 

 

„Gesellschaftspolitisch umstritten“

Die Referenten beim 13. Hospizforum: Herbert Kaiser (v.l.), Monika Stumpf, Günther Brobmann, Andreas Heller, Birgitta Killing und Norbert Kortlüke. (Foto: Heike Pöllmitz)

13. Forum des Förderkreises Hospiz Mittelhessen thematisiert „Sterbefasten und palliative Sedierung“

Von Heike Pöllmitz

Zum 13. Mal hatte am Samstag der Förderkreis der Hospiz Mittelhessen gGmbH unter der Schirmherrschaft von Wetzlars Oberbürgermeister Manfred Wagner zu seinem Hospiz-Forum eingeladen. Der Förderkreis-Vorsitzende Professor Günther Brobmann hieß dazu unter der Überschrift „Sorgeorientierung am Lebensende“ rund 140 Gäste in „Tasch’s Wirtshaus“ willkommen.

„Die große Resonanz zeigt mir, dass unsere aktuellen Themen Sterbefasten und palliative Sedierung von großem Interesse sind“, meinte Brobmann. Unter palliativer Sedierung versteht man den Einsatz bewusstseinsdämpfender Medikamente mit dem Ziel, unerträgliches Leid zu lindern. Brobmann machte allerdings auch deutlich, dass die Selbstbestimmung am Lebensende schon die Denkschulen im alten Griechenland beschäftigte. „Euthanatos, der ,gute Tod’ wurde mit einem Gemisch aus Schierling und Mohn herbeigeführt und berühmte Männer wie Sokrates wählten diese Todesart“, so der Professor.

Beweggründe einer Sterbenden verdeutlicht

„Der Vortrag um das Sterbefasten ist spannend, weil gesellschaftspolitisch umstritten, und bei der palliativen Sedierung kommt die Frage auf, wie weit darf ich gehen, um Leiden zu lindern?“, fragte Stadtrat Norbert Kortlüke. „Kann man einem Menschen die Autonomie geben, zu fasten, bis der Tod eintritt? Ich persönlich finde ja, denn schon im Grundgesetz steht: Die Würde des Menschen ist unantastbar“, sagte Kortlüke.

Hospizgeschäftsführerin Monika Stumpf und Mitarbeiterin Dorothea Schäfer führten ins Thema ein. Mit dem wechselseitig vorgelesenen Tagebuch zweier Schwestern wurden die Beweggründe einer Sterbenden deutlich, die seit vielen Jahren gegen den Krebs kämpft, sich sedieren zu lassen. Zunehmende Schwäche, Schmerzen und das Wissen um das nahe Ende sollen das Leben nicht mehr bestimmen, Traueranzeige und Beerdigung sind wohl überlegt vorbereitet und die Schwester soll die Familie begleiten. Trauer, aber auch Ruhe und Verständnis, lassen diese die letzten Tage am Bett ausharren. Die Frage „Wie würde ich damit umgehen?“ stand im Raum.

In einem provokanten Vortrag konfrontierte Professor Andreas Heller, Lehrstuhl für Palliative Care und Organisations-Ethik an der Universität Graz, das Publikum mit den Erfahrungen aus der Hospizarbeit. „Ist der freiwillige Verzicht auf Essen und Trinken ein begleiteter Selbstmord, der in Hospizen keinen Platz haben darf, oder gibt es hier eine Möglichkeit des autonomen Sterbens mit palliativer Unterstützung“, nannte Heller die beiden Fronten. Das Recht auf Selbstbestimmung ist seine Antwort, denn „jeder darf selbst bestimmen, was er macht, und so auch seinem Leben ein Ende setzen.“

Herbert Kaiser, Facharzt für Innere Medizin, Hämatologie/Onkologie und Palliativmedizin vom Hospiz- und Palliativ-Verein Gütersloh, beschäftigte sich mit der palliativen Sedierung, mit der er sehr sorgfältig umgegangen wissen möchte. „Es muss klar sein, dass auch bei bester palliativer Behandlung, bei manchen Patienten noch Schmerzen vorhanden sind“, so Kaiser. Auch emotionale oder spirituelle Belastungen können das Leben unerträglich werden lassen.

„Wenn man frühzeitig über die Möglichkeit der Sedierung spricht, hat der Patient immer diese Möglichkeit im Hinterkopf, kann ruhiger in seine letzte Lebensphase gehen und sich ganz bewusst entscheiden, ob und wann der ,richtige Moment’ für ihn gekommen ist.“

„Die Anwendung der palliativen Sedierung erfordert eine vertrauensvolle Kommunikation mit allen Beteiligten und eine sorgfältige, ethisch gut begründete Entscheidung“, unterstrich Kaiser. „In jedem Fall muss darauf geschaut werden, ob Indikationen wie Schmerzen, Atemnot oder Ängste vorliegen und vor allem der Wunsch nach der Sedierung auch wirklich ohne äußeren Druck vorliegt.“ Ziel der palliativen Sedierung sei die Kontrolle von Symptomen, nicht eine Beschleunigung des Sterbens.

Zum Abschluss gab es noch eine Diskussion mit den Referenten, die Birgitta Killing, Chefärztin der Klinik für Hämatologie/Onkologie, Palliativmedizin an den Lahn-Dill-Kliniken, leitete. Fazit: Die beiden Möglichkeiten werden noch sehr selten genutzt und es sollte klar definiert sein, wann sie zum Einsatz kommen. Ein sensibler Umgang sollte Voraussetzung sein.

Wetzlarer Neue Zeitung, 12.November 2019, Seite 12

 

 

Humor darf nicht sterben

Eine gute Seele ist Kerstin Steinmüller-Weiß (li) für das Hospiz und seine Gäste. Gemeinsam mit Bettina Döpp bereitet sie das Kaffeetrinken vor, bei dem man nachmittags gemütlich beisammen sitzt. (Foto: Manuela Jung)
Zuwendung ist vor allem in den letzten Tagen des Lebens sehr wichtig. (Symbolfoto: Norbert Försterling/dpa)
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Dem Sterben Leben geben: Was Kerstin Steinmüller-Weiß vor dem Tod ihres Mannes im Hospiz erfahren hat, will sie weitergeben

Von Manuela Jung

Im Beruf kann sie Kraft schöpfen, er gibt ihr Halt, und das, obwohl sie genau an dem Ort arbeitet, an dem ihr Ehemann im vergangenen Jahr gestorben ist. Kerstin Steinmüller-Weiß ist Köchin im Hospiz Haus Emmaus in Wetzlar. Sie ist die Frau mit dem rot-schwarzen Buch, in dem sie Tag für Tag die Essenswünsche der Gäste einträgt. Und damit ist sie auch für die Schwerkranken mehr als eine Hauswirtschafterin.

„Über das Essen bekommst du einen anderen Zugang zu den Menschen“, davon ist Kerstin Steinmüller-Weiß nach zwölf Jahren als Hospizköchin überzeugt.

Schon vorher hat sie sich ehrenamtlich im Haus Emmaus engagiert, doch als 2007 eine Stelle frei wurde, hat sie sofort Ja gesagt, obwohl sie hauptberuflich nichts mit dem Kochen zu tun hatte: „Ich bin gelernte Tierarzthelferin“, sagt sie, „aber hier gehe ich fast jeden Tag mit einem guten Gefühl nach Hause, weil ich so viele positive Rückmeldungen bekomme.“

Kartoffelpuffer, Griesbrei, Rührei – oft sind es die Klassiker, die die Gäste wünschen, häufig verbinden sie damit die meisten Erinnerungen. Für die Köchin und ihre Kolleginnen ist es kein Problem, mehrere Gerichte nebeneinander zuzubereiten: „Uns macht das Spaß und wir lachen viel und herzlich, auch wenn eine Etage über uns möglicherweise gerade jemand verstirbt“, sagt sie.

Den Respekt vor den Menschen in ihrer letzten Lebensphase hat Kerstin Steinmüller-Weiß deswegen aber nicht verloren: „Ich komme hierher und die Menschen leben. Der Humor darf niemals verloren gehen.“

Als sie darüber spricht, erinnert sich die 61-Jährige, wie vor einigen Jahren ein Gast vor der Küche stand und sie gefragt hat, wo sie denn nun ihren Löffel abgeben könne: „Sie glauben nicht, wie lange wir uns vor Lachen nicht mehr eingekriegt haben.“

Für Kerstin Steinmüller-Weiß ist die Küche ein Ort zum „Löffel abgeben“, das Hospiz aber nicht: „Natürlich versterben hier regelmäßig Menschen“, sagt sie, „aber so lange sie leben, sollen sie möglichst jeden Augenblick nutzen und bewusst verbringen.“

Steinmüller-Weiß spricht aus Erfahrung. Im vergangenen Jahr war es ein herber Schicksalsschlag, der sie täglich ins Hospiz kommen ließ, dann allerdings nicht zum Arbeiten. „Mein Mann hat die letzten sieben Wochen seines Lebens hier verbracht“, erzählt sie, „er hatte einen Hirntumor, der schnell streute und ihn zu einem anderen Menschen werden ließ. Mit der Zeit ging es Franz immer schlechter, Chemo und Bestrahlung hatten nichts gebracht.“

Mutig fasste Kerstin Steinmüller-Weiß schließlich den Entschluss, ihren Ehemann in das Haus Emmaus zu verlegen: „Die ganze Pflege, das hätte ich nicht allein geschafft. Mein Mann wurde oft sauer, weil er die einfachsten Dinge nicht mehr hinbekam. Auch dann konnte ich einen Knopf drücken und ein Pfleger klärte die Angelegenheit, ohne, dass ich mich weiter darum kümmern musste.“

Für die 61-Jährige und ihren damals 65-jährigen Mann waren es sieben wertvolle Wochen, auch wenn sie beide wussten, dass das Ende einer 43-jährigen Bekanntschaft und einer 33 Jahre anhaltenden Ehe schnell nahen würde: „Die Ärzte gaben ihm Wochen, allerhöchstens Monate“, erinnert sie sich, „und genau deshalb war es die richtige Entscheidung, die übrige Zeit im Hospiz zu verbringen.“ Hier kümmerten sich die Mitarbeiter um die Pflege und alles Notwendige, während Kerstin Steinmüller-Weiß zu jeder Zeit kommen und auch hier übernachten konnte. Besonders in den letzten Tagen hat sie das genutzt.

Und dann kam er, der zweite Weihnachtsfeiertag 2018: „Mein Mann hat gerne Weihnachten gefeiert, es war schon bezeichnend, dass er ausgerechnet dann verstarb“, sagt Steinmüller-Weiß. Viele Stunden hätten sie und die Familie – ihr Ehemann hatte noch fünf Geschwister – am Sterbebett in Zimmer 1 verbracht, sich erinnert, gemeinsam geweint und auch gelacht. „Es war ein bisschen so, als wollte er uns auch in diesem Jahr traditionell zum zweiten Feiertag zusammen wissen. Hätte er noch gelebt, hätte unser Familientreffen zum ersten Mal nicht stattgefunden.“

Kerstin Steinmüller-Weiß verarbeitet den Tod ihres Mannes gut, das Hospiz und die vielen freundlichen Kollegen, aber auch ihre Ausbildung zur Sterbebegleiterin und der tägliche Umgang mit dem Sterben haben ihr Kraft gegeben, auch wenn es kein leichter Weg war, wie die 61-Jährige schildert: „Nur acht Wochen später verstarb mein Schwager, auch an einem Hirntumor, auch hier im Hospiz. Es waren insgesamt fünf Beerdigungen nahe stehender Menschen in einem halben Jahr. Das was einfach zu viel Sterben in einem zu kurzem Zeitraum.“

Wetzlarer Neue Zeitung, 05. November 2019, Seite 9

 

 

1800 Gäste in 15 Jahren betreut

Das Hospiz Mittelhessen besteht seit 15 Jahren und kann auf eine eindrucksvolle Bilanz verweisen. (Foto: Manuela Jung)
Eine Farbe für jedes Jahr, ein Ballon für jeden Verstorbenen. Nach zehn Jahren Hospizarbeit steigen im Jahr 2014 diese ganz besonderen Luftballons in den Himmel. (Foto: Hospiz Haus Emmaus)

Dem Sterben Leben geben - Das Hospiz Mittelhessen offenbart in Zahlen einen Blick auf die vielfältige Arbeit der Einrichtung

Von Manuela Jung

In den vergangenen 15 Jahren – seit seiner Eröffnung – hat das Wetzlarer Hospiz einiges erlebt. Doch wie viele Menschen waren daran beteiligt? Wie viele Gäste und deren „Zugehörige“ haben profitiert? Wie viele Spenden sind nötig, um die Arbeit am Laufen zu halten? Und wer trägt die Kosten? Ein Blick auf viele Zahlen rund um das Haus Emmaus gibt Aufschluss.

Im Jahr 2002

haben sich an einem Hospiz interessierte Menschen der Region zusammengefunden und beschlossen, ein stationäres Hospiz für Mittelhessen zu gründen. Zwei Jahre später, am 1. April 2004, wurde das Haus Emmaus eröffnet.

Als Träger hatten sich mit der Stiftung „Alte Menschen in Not“, dem Stephanuswerk Wetzlar, den Hospizdiensten Lahn-Dill, dem Caritasverband Wetzlar/Lahn-Dill-Eder, dem Hospizverein Gießen und dem Universitätsklinikum Marburg/Gießen sechs Gesellschafter zusammengefunden. In den vergangenen Jahren sind die Lahn-Dill-Kliniken hinzugekommen.

100 000 Euro Spenden

benötigt das Hospiz jedes Jahr für den täglichen Betrieb. Die Krankenkassen übernehmen nur 95 Prozent der Kosten. Weitere 80 000 Euro Spendengelder steckt das Haus Emmaus in die Finanzierung von „Charly & Lotte“.

10 000 Kilometer

haben Hospizleiterin Monika Stumpf und Pflegedienstleiterin Stephanie Wagner nach eigenen Angaben im ersten Jahr seit der Gründung zurückgelegt, um das Haus Emmaus im Lahn-Dill-Kreis und über die Region hinaus bekanntzumachen. „Wir haben uns und unsere Arbeit vorgestellt und interessierte Menschen eingeladen, uns zu besuchen“, sagt Wagner. Denn längst hatte die Hospizarbeit noch nicht den guten Ruf, den sie verdient hätte: „Die Belegung im ersten Jahr lag bei 62 Prozent. Es hat eine Weile gedauert, bis sich die Menschen hierher getraut haben“, erinnert sich Monika Stumpf an die Anfänge der Einrichtung.

72 Jahre

ist das Durchschnittsalter aller bereits im Hospiz Verstorbenen. Der jüngste Gast war 18 Jahre alt, der älteste 99 Jahre. Für sie alle findet am 30. November die bereits 30. Gedenkfeier statt. Hier werden alle Angehörigen eingeladen, die im vergangenen halben Jahr ein Familienmitglied im Haus Emmaus verloren haben.

1800 Gäste

hat das Haus Emmaus seit 2004 aufgenommen und palliativ betreut. Waren es im ersten Jahr nur 47 Schwerstkranke, so waren es 2019 allein von Januar bis September bereits 106 Menschen, die im Hospiz verstorben sind. Im Durchschnitt sind es pro Jahr zwischen 120 und 130 Gäste, die die Einrichtung an ihrem Lebensende begleiten darf. Doch die Zahl der Anfragen liegt weit höher: „Rund 4000 Menschen hätten wir in den vergangenen 15 Jahren für ihren letzten Lebensabschnitt unterbringen können“, weiß Monika Stumpf. Der Erweiterungsbau wird zu den bestehenden acht Betten zwei zusätzliche Räume für den stationären Aufenthalt schaffen, um auf die hohe Nachfrage zu reagieren. Vier Tageshospizplätze werden neu hinzukommen.

Bis zu 450 Personen

werden jedes Jahr an der Hospiz- und Palliativakademie in unmittelbarer Nachbarschaft an das Haus Emmaus zu den verschiedensten Themen rund um die Sterbebegleitung und Pflege geschult.

Eine Hochzeit, eine Goldene Hochzeit, zwei Taufen und viele Geburtstage wurden in den vergangenen 15 Jahren im Haus Emmaus gefeiert. Derartige Anlässe zeigen, wie sehr das Hospiz einen Platz mitten im Leben verdient. Monika Stumpf ist überzeugt: „Wir versuchen alles möglich zu machen, was sich unsere Gäste wünschen.

17 Tage

verbringen die Gäste zurzeit durchschnittlich bis zu ihrem Tod im Hospiz. Zum Vergleich: Im Jahr der Gründung lag die Verweildauer noch bei 30 Tagen. Woran das liegen könnte, weiß Pflegedienstleiterin Wagner: „Die Patienten kommen heute oft zu spät. Es gibt weniger Menschen, die über einen längeren Zeitraum bleiben, obwohl das eigentlich die Regel sein sollte.“

Von einem Tag bis hin zu einem Jahr war für die Mitarbeitenden bereits alles dabei. Und eine frohe Botschaft gibt es auch: Immerhin vier bis sechs Menschen pro Jahr erholen sich im Haus Emmaus so gut, dass sie sogar wieder entlassen werden können.

39 Mitarbeitende

sind 2019 in Voll- und Teilzeit bei der gemeinnützigen Hospiz Mittelhessen GmbH angestellt und damit nahezu dreimal so viele wie im Anfangsjahr. Sie arbeiten in den unterschiedlichsten Bereichen von der Hauswirtschaft über die Verwaltung bis hin zur Pflege. 75 Prozent der Pflegekräfte sind seit 2004 mit Hand und Herz dabei. Hinzu kommen 31 Ehrenamtliche, die sich für das Wohlergehen der Gäste starkmachen. Zudem wird das Hospizprojekt „Charly und Lotte“ von zwei hauptamtlichen und elf freiwilligen Trauerbegleiterinnen unterstützt.

Wetzlarer Neue Zeitung, 30. Oktober 2019, Seite 14